Helfen in Not ist unser Gebot! Geschichte des heiligen Florian Als ob fahneneid und Christentaufe sich, gegenseitig ausschlossen! Als Veteran wäre Florian ohne weiteres als nichtbetroffen eingestuft worden, aber er hatte einen so hohen Begriff von der Kameradschaft mit seinen einstigen Waffengenossen, dass er schnurstracks sich aufmachte, um mit seinem Bekenntnis ihre Standhaftigkeit zu untermauern. Siehe auf dem Hinweg fiel er in die Hand der Häscher. Dann ergoss sich die ganze Litanei des Leidens und Quälens über ihn: Folter und Zange und Peitsche, Brennen und Sengen bis zur Bewusstlosigkeit. Aber seine Ohnmacht erwies erst die Ohnmacht all dieser sadistischen Mittel. Zuletzt schleppt man einen Mühlstein herbei und hängt ihn dem Gemarterten um den Hals, um ihn in die Enns zu stürzen, die seine Leiche ans Ufer spülte, wo eine christliche Matrone namens Valeria ihm dann, ein würdiges Begräbnis zuteil werden liessen. Bis zu seiner Bergung habe ein Adler mit ausgebreiteten Fittichen seinen Leichnam bewacht, nachdem der römische Adler ihn zur Leiche gemacht hatte. Heutesteht dort das Barockstift St. Florian, unter dessen Orgel Altmeister Anton Bruckner begraben liegt. Alle Berufe aber, die es mit dem Brennen und Löschen zu tun haben: Die Köhler und die Schmiede, die Kaminkehrer und die Zinngiesser, die Schnapsbrenner und allen voran die Feuerwehren haben ihn, den Feuer- gepeinigten und Wassergesteinigten, zu ihrem Patron erwählt:                                                                        Es brennt, o heiliger Florian, heut aller Orts und Enden du aber bist der rechte Mann, solch Unglück abzuwenden. Schutzpatron der Feuerwehr! Florian war Offizier der zweiten italienischen Legion des römischen Heeres. Als er von der Gefangennahme von 40 Soldaten aus seiner ehemaligen Legion hörte, eilte er an den Ort des Geschehens nach Lauriacum, der Hauptstadt der Provinz Ufer-Noricum, um ihnen zu helfen. Er wurde dabei aber selbst verhaftet, gefangen und nach vielen Martern mit einem Mühlstein umden Hals in die Enns geworfen. Die Überlieferung berichtet, dass seine Leiche, von den Wellen auf eiheilnd von einem Adler bewacht, von Va- leria, einer frommen Frau, gefunden und von ihr dort bestattet wurde, wo im 8. Jahrhundert das Stift St. Florian entstand. In seiner Jugend soll er ein brennendes Haus durch sein Gebet gerettet haben - aber erst im 15. Jahrhundert setzte sich diese Überlieferung durch, die heute seine Bedeutung begründet. Die Gebeine der anderen 40Märtyrer wurden Mitte des 20. Jahrhunderts in Lorch ausgegraben, Florians Reliquien kamen auch nach Rom und Krakau. Vor Feuersgefahren und Hitzen sollen euch schützen der Heilige Sankt Florian, wir und die Spritzen! Man sollte es kaum für möglich halten, dass von einem Manne, der seine unwandelbare Gefolgschaftstreue und Gesinnungs-festigkeit mit dem Tode besiegelt hat, heute als bekanntestes nur noch ein windiger Volks spruch übrig geblieben ist, der die alte Wahrheit beweist, dassmanch einer vorgibt, Gott und seine Heiligen zu lieben, während erst gleichzeitig mit der doch wahrlich ebenso notwendigen Nächstenliebe gar nicht wichtig nimmt. Solches ist dem heiligen Florian widerfahren und währen da nicht noch die leibhaftigen Repräsent anten tatkräftiger Nächstenliebe, die wackeren Mannen der Feuerwehr, - weiß Gott, es währe wohl dem Heiligen längst verleidet, sich von seinen Nachfahren hänseln zu lassen mit dem losen Sprüchlein:                                                                             Oh heiliger Sankt Florian, verschon´ mein Haus, zünd andre an! Er war der Zeitgenosse der heiligen Barbara, gehört also in die letzte Etappe der Christenverfolgung. Allem nach war die römische Provinz Noricum seine Heimat, also etwa Oberösterreich, Steiermark und Kärnten. Als Oberst des römischen Heeres hatte er sich pensionieren lassen. Noch war das Christentum offiziell nicht als Staatsreligion anerkannt, wiewohl vernünftige Statthalter zuweilen schon anderthalb bis zwei Augen zudrückten, wenn sie einen Christen entdeckten. Aber immer wieder kam es unter Scharfmacher und Hundertfünfzigprozentigen zu Säuberungen, vor allem im Heer. So wurden auch - es muss um die dritte Jahrhundertwende gewesen sein im Römerkastell Lauriacum dem heutigen Lorch an der Enns, vierzig christliche Soldaten vor die Alternative gestellt: Entweder Treue zu Christus oder zum Kaiser Diokletian.   Die schriftlichen Zeugnisse der Florianslegende haben sein Leben und sein Sterben im frühchristlichen Frühjahr des Jahres 304 jahrhundertelang poetisch ausgeschmückt. Das Volk jedoch wusste von ihm noch etwas Schöneres. Von Mund zu Mund wurde eine wundersame Tat des Knaben Florian verbreitet: Er hatte, so klein er noch war, einen Hausbrand mit einem winzigen Kübel Wasser gelöscht. Weiterhin blieb ein Köhler in einem brennenden Meiler unversehrt, als er Florian zu Hilfe gerufen hatte. So bekam der zur Zeit der Christenhasser Diokletian und Macimin Ertränkte, der mit einem Mühlstein um den Hals in die reißende Enns geworfen wurde, gegen Ende des Mittelalters die Attribute Feuer, Haus, Wasserkübel oder Krug. Die früh aufgeschriebenen Floriansberichte setzen die Märtyrerakten des 2. und 3. Jahrhunderts fort. Im 3. Jahrhundert nach Christus suchte der römische Statthalter Aquilinus in Lauriacum, dem heutigen Lorch in Oberösterreich, sein Verwaltungsgenie durchhochnotpeinliche Forschungen nach Christen zu beweisen. Als er vierzig geheime Christen eingekerkert und gefoltert hatte, eilte sein ehemaliger Kanzleivorsteher Florian, der im Stadtgebiet des heutigen St. Pölten zu Hause war, nach Lorch und bekannte sich offen als Christ. Florian war ein starkmütiger Einheimischer und weigerte sich selbst dann noch, abtrünnig zu werden, als ihm Schergen die Schulterblätter zerschmettert hatten. Daraufhin wurde er von der Ennsbrücke in den Fluss gestürzt. Der ihm den Stoss gab, blieb danach zeitlebens blind, und - so fahren die nach Hieronymus, Alkuin und Notker aufkommenden Marterbücher fort - die Flutwellen erschauerten und setzten den Ertränkten auf einem Felsen ab. Augenblicklich schwebte ein Adler mit kreuzförmig ausgespannten Flügeln herab und bewachte die Leiche, bis der Heilige der frommen Witwe Valeria erschienen war. Diese verbarg seinen Leichnam so lange unter Buchenlaub, bis sie ihn eilig und eifrig in Gottes Erde bestatten konnte. Die Florianslegende be- richtet, dass Valerias Gespann von kleinen Zugtieren unterwegs ermattete, worauf die Witwe so lange betete, bis eine heute noch fliessende Quelle entsprang, die ihre Tiere erquickte. Durch jähes Halten bezeichnete sie kurz darauf den Ort, an dem der Heilige begraben werden wollte. Nun, der gestrenge Florian weiß schon: Es ist mehr bloesse Gedankenlosigkeit als nackte Missgunst, was das Volk so beten lässt, und dass kein rechtschaffener Christenmensch seinem Nachbarn im Ernst den roten Hahn an den Kragen wünscht. Ganz abgesehen davon, da es ihm dann bei der Gelegenheit auch blühen könnte! Ganz große Stücke auf Sankt Florian aber muss jener dreimal abgebrannte Bauer gehalten haben, der über seinen Neubau den Vers gesetzt hat:                                       Dies Haus stand einst in Gottes Hand - Und ist doch dreimal abgebrannt. Zum vierten Mal hab ichs gebaut - Doch nun Sankt Florian anvertraut! Zwar hat sich dieser Versdichter arg in der Rangordnung der Werte verguckt und dem Gefolgsmann weit mehr zugetraut als dessen Vorgesetztem, aber auch hier scheints kein böser Wille oder mangeln-des Gottvertrauen gewesen zu sein, sondern das verstandesmäßig nicht zu beweisende Gefühl, dass einfach der heilige Florian für das Ressort Brand und Feuer der; am ehesten Zuständige von allen Himmlischen sein müsse. Das ist nun freilich dieselbe Schulbubenlogik, die jenes Büble sagen ließ:                                                                      Meinem Vater geschiehts grad recht, wenns mich in die Finger friert - warum kauft er mir keine Handschuhe? Unser Volk kennt zwei beliebte Heilige, die mit Gefährteen abgebildet werden: Den heiligen Veit (oder lateinisch gesprochen: Sankt Vitus) und St. Florian. Der erste wurde jedoch nur durch ein pures Versehen zum Patron der Bettnässer. Weil er in einem Kessel voll glühenden oels zu Tode gemartert worden war, gab man ihm später auf seinen Statuen solch rundes Behältnis als kennzeichnendes Attribut in die Hand. Aus Material- und Platzmangel wurde dieser Kessel zuweilen so klein dargestellt, im Verhältnis zu seiner Figur, dass irgendwann und irgendwo einmal das Missverständnis entstanden ist, der gute Heilige trage da jenes allzumenschliche Geschirr in der Hand, dessen man zuweilen, kaum entraten kann.